Bodybuilding-Wettkampf: Fazit & erneute Teilnahme

Mein erster Bikini-Fitness-Wettkampf liegt nun fünf Monate zurück und ich erinnere mich gern daran. Ich hatte eine super Wettkampfdiät, in der ich die  pflanzliche Ernährung für mich entdeckte, meinen Körper ganz neu kennen lernte und mental einen riesigen Schritt nach vorn machte. Im Ergebnis wurde ich am Tag meines Wettkampfes auf dem achten Platz von 20 Teilnehmerinnen platziert.

In meinen Augen hatte ich schon vor der Ergebnisverkündung   Platz 1  belegt. Warum? Ganz klar, ich selbst hatte den Weg dorthin gemeistert. Täglich 200 % Disziplin, Ehrgeiz und Durchhaltenvermögen geleistet. Eine Zeit, in der ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Selbstliebe und vor allem der eigene Respekt gefordert waren. Ich bin mir in dieser Phase geistig auf einer anderen Ebene begegnet – Dinge, die ich zuvor als selbstverständlich angesehen habe, wusste ich nun viel mehr zu schätzen. Und damit meine ich nicht das Essen. Nein, Zeit für mich selbst, meinen Körper, aber auch die Zeit mit den Liebsten, Erlebnisse, Freude und auch manch stille Momente habe ich viel aufmerksamer wahrgenommen und ausgekostet. Oftmals habe ich dagestanden und andere Menschen beobachtet, mich gefragt, wieso alles rennt, sich stresst und sogar seinen Nächsten demütigt. Viele denken nun vielleicht, es sei eine „einfache“ Form des Reifens. Jedoch denke ich, dass ich die mentale Ebene ohne diesen Weg, ohne diese große Herausforderung täglich 200 % zu geben, so nicht erkannt hätte. Nachhaltig hat mich die Diät geprägt, nicht wie viele da draußen meinen, man würde in eine Essstörung verfallen oder ein verzerrtes Bild der Selbstwahrnehmung haben – hier geht es um eine Nachhaltigkeit in Hinblick auf das, was in unserem Umfeld passiert, was wahrgenommen wird, wohl eher wahrgenommen werden und an Anerkennung gewinnen sollte. Allein diese großartige Erfahrung und Erkenntnis ist ein triftiger Grund erneut eine Wettkampfvorbereitung zu „durchleben“.


Wie eben kurz erwähnt wird eine Wettkampfdiät/-Vorbereitung oftmals mit einer resultierenden Essstörung und einer verzerrten Selbstwahrnehmung in Zusammenhang gebracht. Was steckt wirklich dahinter?

Essstörung

Selbstverständlich kann ich nun nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen bzw. lediglich den Eindruck anderer MitstreiterInnen einbeziehen. Eine Wettkampfdiät setzt nicht nur Disziplin, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen voraus. Nein, es erfordert auch ein hohes Maß an Genauigkeit (man könnte es fast Pingeligkeit nennen). Jede Nahrung wird auf den Gramm genau abgewogen, jede Schale und jeder Teller möglichst ohne Rückstände leergekratzt (notfalls auch geschleckt :D) und jede einzelne Woche, die dem Wettkampf näher kommt, ist bis ins Detail kalkuliert, ausgerechnet und festgeschrieben. Morgens klingelt der Wecker, im ungünstigsten Fall hat man gerade noch von Süßigkeiten, All-you-can-eat Buffet oder einer großen Portion Eis geträumt –  das Erste: der Blick in den Spiegel: Hat sich was getan? Als zweites geht es auf die Waage – im besten Fall weniger Kilogramm als gestern. In diesem Bestfall kommt aber direkt der Gedanke „hast du gestern außergewöhnlich viel geschwitzt, weniger getrunken oder ein Geschäft erledigt?“ An den Gedankengängen ist zu merken, dass es tatsächlich nicht mehr ganz normal ist 😀 ja ich weiß, aber man hat eben sein Ziel vor Augen, der Tag X steht fest, rückt näher und lässt sich nicht nach hinten verschieben. Selbst verliert man den objektiven Blick in den Spiegel und sieht selten Veränderungen. Dies ist ein Merkmal, welches definitiv dafür spricht, eine Wettkampfvorbereitung in Begleitung mit einem Coach durchzustehen.

Zu Beginn meiner Diät im März hatte ich bereits von vielen Bloggern gelesen, dass es hart ist auf die schönen, köstlichen Dingen zu verzichten und sich tatsächlich viele von Ihnen regelrecht massige Vorräte an Süßigkeiten und Co. für die Zeit nach dem Wettkampf bunkern. Nur ist das so gesund? Natürlich nicht, genauso wenig, wie es eine Wettkampfdiät ist. Ich hatte große Angst, dass es mir auch so gehen wird, ich mich nicht kontrollieren kann, mir ein großer Jo-Jo-Effekt widerfährt und ich ohne Hilfe nicht mehr zu einem gesundesn Verhältnis zu Essen finden werde. Möglicherweise war es Zufall oder auch Glück, denn wie bereits in meinem vorherigen Blog  Projekt: Bewusst pflanzlich ernähren berichtet, habe ich meine Ernährung mit Beginn der Wettkampfdiät auf eine pflanzliche Ernährung umgestellt. Was ich mittlerweile für die beste Entscheidung ansehe. Zwar war ich zuvor eine Konsumentin von Fleisch, Eiern und Milchprodukten in großen Mengen, aber ich konnte mich gut arrangieren. Warum? Der Preis für die pflanzliche Ernährung ist so überraschend positiv, dass es keinen Grund gibt, zu dem damaligen Konsum von tierischen Produkten zurückzukehren. Frühere Allergien sind in diesem Jahr von mir fern geblieben, ich verspüre eine gute Vitalität und fühle mich gestärkt. (Lediglich behalte ich mir die Möglichkeit offen, mal eine Ausnahme für Sushi oder Co. zu machen, aber das kommt maximal alle zwei bis drei Monate mal vor.) >> Komme ich zurück zu der Angst vor einer Essstörung bedingt durch die Wettkampfdiät. Damit wären wir auch schon bei der Antwort: Durch die Umstellung auf die pflanzliche Ernährungsweise habe ich gelernt, wie es sich anfühlt sich durchweg gesund, ausgewogen und angemessen zu ernähren. Das resultierende Körpergefühl und die unerwartete extra Portion Power im Training hat mich von dem Verlangen auf Ungesundes, Heißhungerattacken und den Unmengen von Vorräten an Süßigkeiten für nach den Wettkampf fern gehalten. Daher bin ich nach meinem Wettkampf in keinerlei schlechtem Essverhalten versunken.

Verzerrte Selbstwahrnehmung

Diesem Kritikpunkt kann ich meine Zustimmung geben. Dadurch, dass ich meinen Körper in einem völlig neuem Ideal kennenlernte verändert sich die komplette Selbstwahrnehmung, das ursprünglichem „Idealbild“ sowieso. Von nun an stellt die Bikinifigur mit trainierten Bauch, knackigen Po und straff trainierten Beine die damalige „lockere“ Bikinifigur, wo nur von einem flachen Bauch die Rede war, komplett in den Schatten. Für mich gehören zu einem weiblichen, attraktiven Körper eben gesunde, straffe Kurven mit Power und ein trainierter Bauch 😉

Damit lässt sich auch erklären, dass es für mich nach dem Wettkampf nicht leicht war zu akzeptieren, dass ich mit dieser Körperform nicht 365 Tage im Jahr aufwachen kann. Weder aus gesundheitlichen Aspekten noch in Hinblick auf die Gesellschaftsfähigkeit. Der Blick in den Spiegel ist kritisch und selten der, den andere vermuten. Zufrieden zu sein gelingt nicht oft, denn schließlich habe ich am eigenen Leib erfahren wie der Körper im Idealfall aussehen kann. Wobei mir auch bewusst ist, dass die Wettkampfform einer Frau für viele kein schöner „Anblick“ ist (zu viele Muskeln, dünne Haut…) – denn von gesunden Kurven kann da eher weniger gesprochen werden. Um es krass auszudrücken, fühlt sich der Körper eben hart trainiert und mit dünner Haut überzogen an. Aber jeder Athlete wird es bestätigen, dass sich die „shredded“ Form eben grandios anfühlt und ansehen lässt – der eigene Körper in Stein gemeißelt.


 

Fazit: Alles im Leben hat seinen Preis. Ich selbst habe hauptsächlich Positives aus den bisherigen Erfahrungen ziehen können, sodass ich mich im Juli dazu entschlossen habe, erneut an einem Bodybuilding-Wettkampf teilzunehmen. Es bleibt spannend, ob und was die Herbst Saison mit sich bringt.

Eure Sina

1 Kommentar

  1. Liebe Sina
    Ich habe gerade mit Freuden deinen neuen Beitrag in deinem Blog gelesen. Ich habe teilweise gelacht, manches mal mit dem Kopf geschüttelt aber vor allem habe ich viel Respekt und Bewunderung für deine Leistung empfunden. Ich finde es ganz wundervoll das du deine Träume stets mit so viel Ehrgeiz und Disziplin verfolgst, und dabei doch nie den Spaß daran zu verlieren scheinst. Denn wenn dein Lächeln darunter leiden würde, wäre es das wirklich nicht wert. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und viel Erfolg für alles, was da noch kommen mag.
    Liebe Grüße. Scarlet

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