Mein erster Bikini-Fitness-Wettkampf

Den Morgen der Anreise bin ich sehr entspannt angegangen. Mit einer positiven Reggae Playlist, schwarzem Kaffee und Reiswaffeln mit Erdnussbutter und Banane. Um 10 Uhr ging es zum Flughafen nach Hannover. Ich natürlich mit einem dicken Koffer am Start. Was man nicht alles benötigt; Yogamatte, Wolldecke, Kissen, Schlabberklamotten für nach dem Tanning, Fön, Glätteisen, Tonnen an Make up für die Verwandlung zu einer anderen Sina und so einiges mehr. Abgehoben und schon wieder gelandet. Eine sehr entspannte Anreise und dort oben stand ich nicht mal im Stau. 😀

Angekommen in Stuttgart hat Nico den Mietwagen klargemacht und wir sind in Richtung Ulm gestartet. Trotz Wettkampfdiät, Aufregung und leichter Anspannung hatte ich beste Laune und Nico war während der Autofahrt sogar gezwungen Radioklassiker wie Helene Fischer lautstark mit zu hören. (Der arme 😀 haha..)

Nach einer Stunde Fahrt sind wir am Hotel angekommen. Dort eingecheckt und das Gepäck abgestellt ging es zur Athleten Registration. Es bestätigten sich Carmens Künste mit dem Zollstock, denn auch hier wurde ich als 164,5 cm klein gemessen. Mit auf dem Weg hatte ich meine Starternummer Nr. 200 und dazu haben alle Athleten sogar eine Goodiebag bekommen. Im Anschluss an die Registration ging es zu ProTan für den ersten Anstrich. Wie wahrscheinlich jeder Athlet zum ersten Mal dort habe auch ich mich an die nackige Situation gewöhnen müssen. 😀 Runter die Klamotten und ab unter die Farbdusche. Während die Farbe trocknen musste habe ich hier die ersten Kontakte mit anderen Athletinnen geknüpft. Es war sehr interessant zu erfahren wie es jeder Einzelnen ergeht. Die meisten von Ihnen freuten sich nur auf das Essen danach und schilderten die letzten Wochen und Tage der Diät als „Quälerei“. Ich konnte das völlige Gegenteil behaupten, denn mein Gemütszustand und auch das Körpergefühl hätten noch weiter diäten können. Etwas verrückt – scheinbar bin ich dafür gemacht.

Mit einer Bräune wie nach 8 Wochen Urlaub im Süden haben wir uns auf die Suche nach einem guten Abendessen für Nico und einem gemütlichen Platz für den Verzehr von meinem Reis gemacht. Letztendlich saß ich mit meiner kleinen Portion Reis meinem Coach gegenüber, der in einen saftig triefenden Burger biss. (Zum Glück bin ich nicht futterneidisch ;p)

Die Altstadt von Ulm kann sich wirklich sehen lassen. Am Donauufer haben wir meinen Dad und meinen Bruder getroffen. Es hat mich so sehr gefreut, dass die beiden extra für mich angereist sind. Endlich konnte ich denen meine Leidenschaft zu dem Sport näherbringen. Wir haben gemeinsam etwas in der Sonne relaxt bis mich die Müdigkeit überkam und Zeit für Erholung war. Eingeschlafen bin ich schnell, aber nicht das hielt nicht lange an. Um 2 Uhr war ich hellwach – konnte nicht wirklich deuten, ob es eine andere Art der Aufregung war oder mein Körper sich einfach nicht mehr erholen wollte. Also habe ich mich aus dem Hotelzimmer geschlichen und bin raus an die frische Luft. Nach einem kleinen Posingtraining an der Donau habe ich mich wieder schlafen gelegt. Um 5 Uhr klingelte dann mein Wecker. Der Tag X, auf den ich mich so lang vorbereitet hatte war nun gekommen. Ich wollte früh genug aufstehen, da ich wirklich nicht so die Expertin in „Gesichtsmalerei“ bin und mit den schlimmsten Schmierereien gerechnet habe. Gefühlt hatte ich schon beim Probeschminken vor ein paar Wochen sämtliches Makeup im Gesicht, welches ich nicht mal in den ganzen letzten Jahren verwendet hatte. Glücklicherweise hatte ich an dem Morgen ein gutes Händchen und auf Anhieb hat alles geklappt. Schlussfolgerung als ich das Badezimmer verlassen habe: Nico konnte mich kaum wiedererkennen. Aber ich konnte ja nun nicht mit einem braunen Körper und weißen Geistergesicht los! Im Anschluss sind wir zum Frühstück gegangen- W O W, ein Frühstücksbuffet vom Feinsten. Und jeder der mich kennt, weiß wie gern ich frühstücke. So habe ich mir aber lediglich Toast mit Honig gegönnt und mir für den nächsten Morgen schon einmal ausgeguckt, was es geben wird. Gemeinsam mit uns haben auch mein Bruder und mein Dad gefrühstückt. Deren Unterstützung tat so kurz vor dem Wettkampf wirklich gut. Sogar ein von der Fibo bekanntes Gesicht habe ich beim Frühstück wieder getroffen: Ralf Möller. Er war als Unterstützung einer Athletin vor Ort.

Gestärkt und motiviert sind Nico und ich wieder zu ProTan gegangen, um mir dort den zweiten Anstrich verpassen zu lassen. Ja, danach war ich dann wirklich mehr als leicht gebräunt. Die zwei Stunden, die wir bis zu meiner Klasse hatten vergingen wie im Flug. Plötzlich ging alles ganz schnell: überpudern, Haare festsprühen, Schuhe an und aufpumpen. Dabei hätte ich fast noch die Schuhe vergessen. Als Nico sich dann quasi von mir verabschiedete und mir nochmals gut zusprach, machte es bei mir klick: Es ist soweit. Der Moment, in dem ich die Möglichkeit hatte meinen hart erarbeiteten Körper zu präsentieren. Zunächst ging es Backstage. Hier habe ich mich mit der ein oder anderen Athletin nochmals ausgetauscht bis wir, 20 Athletinnen, sortiert wurden und die Bühne betreten durften.

Woooo…oooo..ww…

Trommelwirbel – welch Feeling. Ich dachte ich finde Worte dafür, euch dieses Gefühl irgendwie näher bringen zu können. Es ist mir bislang nicht gelungen. Einfach abgefahren. Adrenalin pur, Begeisterung, völlige Wertschätzung und einfach nur ein Moment, der gefühlt in Zeitlupe abläuft und sich mit dem strahlenden Lächeln genießen lässt. Allein jetzt, wenn ich daran denke bekomme ich direkt wieder Gänsehaut. Ich habe all Positives für mich aufgesogen und es einfach genossen. Als es zum I-Walk kam, war ich mit der Nr. 200 die erste und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es nicht erwartet hab unter der Aufregung diesen so gut zu meistern. Klar, wüsste ich nun was ich beim nächsten Mal besser machen würde. Aber sind wir mal ehrlich, das ist doch in allerlei Hinsicht so. Die erste Auswahl war getroffen: Ich habe es unter die TOP 12 geschafft und konnte mich anschließend in dem ersten Vergleich präsentieren. Tropfenweise perlte der Schweiß an meinem Rücken runter und gefühlt hing mir mein Makeup bereits am Kinn. Muskeln anspannen und die beste Position finden, 40 Minuten die einer Windeseile verflogen. Die Entscheidung war gefallen und wir haben die Bühne verlassen. Meine erste Tätigkeit: Wasser trinken. Mein Lächeln war gefühlt schon festgetrocknet. Dass ich den besten Coach hatte, wurde mir nochmal bewusst, als ich ihm quasi direkt in die Arme gelaufen bin und er mir berichtet hat, wie ich mich im Vergleich zu den anderen Athletinnen präsentiert hatte. Zu meiner eigenen Belohnung habe ich mir Oreo´s gegönnt und bin meiner Familie erleichtert in die Arme gefallen. Ich war wirklich wir in Trance und glücklich bis in die Fußspitzen. Einfach zufrieden, wie es gelaufen war – nicht gestolpert, kein großartiger Patzer und trotz des schlechten Platzes am Bühnenrand den bestmöglichen Winkeln zur Jury rausgeholt. Nun mussten wir vier Stunden auf die Finallisten warten. Hierfür haben wir uns wieder an das Donauufer in die Sonne gelegt und haben zwischendurch noch Freunden bei Ihrem Wettkampf zugesehen und angefeuert. Die Atmosphäre war echt klasse und hat einen riesigen Spaß gemacht. Es war so weit: Nico hat sich auf den Weg gemacht, die Finallisten abzuchecken. Er und auch meine Familie waren der festen Überzeugung, dass ich es ins Finale schaffen werde. Sie meinten, dass ich die stärkste Muskelsubstanz hatte. Und genau was wurde offensichtlich nicht gesucht. Mein Name tauchte auf der Liste nicht auf. Wahrscheinlich war es genau die Nachricht, die Nico mir am liebsten nicht übermittelt hätte. Er konnte es nicht fassen. Ein Moment, in dem ich einfach hätte mal losheulen können. Ich habe mich allerdings versucht irgendwie zusammen zu reißen. Tränen, nicht aus Frust sondern eher weil all die Anspannung der letzten Wochen abfiel. Klar war ich sehr enttäuscht, dass ich nicht die Chance für das Finale bekommen hatte. Ich wusste aber, dass ich stolz auf mich, meine Arbeit und all der Hingabe zu diesem Sport war und mir diese Erfahrung niemand mehr nehmen konnte. Zumal bin ich noch immer von den positiven Mitteilungen sehr vieler Menschen, die mir die Daumen gedrückt, mich beglückwünscht und bewundert haben, sehr überwältigt. Wie soll ich euch allen nur danken

Meine Familie hat sich im Anschluss an die schlechte Nachricht wieder auf den Heimweg gemacht. Beide waren sehr stolz auf mich und ich habe mich sehr gefreut, dass sie von dem was ich erarbeitet hatte sichtlich begeistert waren.

Nun hieß es schlemmen mit meinem Coach. Die wahrscheinlich beste seiner Aufgaben als Coach an meiner Seite. Tja, da war ich nun in eine Stadt, die so viele Leckereien geboten hat, dass ich nicht wusste womit ich denn nun sündigen wollte. Die Suche endete in der LÓsteria – eine riesige Pizza für mich allein plus eine Weinschorle. Ein wahnsinniger Genuss. Das war übrigens die erste nicht pflanzliche Mahlzeit seit Langem! Vollgemampft zurück haben wir noch mit anderen Athleten auf deren Finale gewartet. Der Zeitpunkt, in dem ich die beeindruckende Kathrin aus Österreich kennen gelernt habe. Sie rockte das Finale der Frauen Bodybuilding Klasse und belegte Platz eins. Sie hat mich wirklich sehr inspiriert und ihr Körper ist beeindruckend. Auch das Finale meiner Klasse haben Nico und ich uns angesehen. Ich musste mir eingestehen, dass meine Form einfach nicht die war, die gesucht wurde. „Softe, schlanke“ Mädels machten das Rennen.

Müdigkeit machte sich breit und ich wollte einfach nur schlafen. Vorher wollte ich mich von der ersten Farbschicht trennen. Mit einem Peelinghandschuh bewaffnet bin ich unter der Dusche verschwunden. Wirklich viel Farbe löste sich nicht, aber ohne den Zentner Makeup im Gesicht habe ich mich wieder wohler gefühlt und konnte schlafen wie ein Baby. Kein Wunder, dass ich beim Ertönen des Weckers fast aus dem Bett gefallen bin: Zeit fürs geile Frühstücksbuffet. Sina im siebten Himmel. Wir haben das Frühstück in vollen Zügen genossen und uns reichlich Zeit genommen. Unser Flug ging erst am späten Nachmittag, also hatten wir noch Zeit für ein After-Competition-Workout im Fitone in Stuttgart. Ich war begeistert, ein Paradies auf mehreren Etagen für Fitnessbegeisterte.

Ausgepowert haben wir uns auf dem Weg zum Flughafen gemacht. Wie das so ist, haben wir im Trainingswahn fast die Zeit aus dem Augen verloren und mussten uns sputen. Nico hat das Auto abgegeben und ich habe mich um die Gepäckaufgabe gekümmert. Nach einer Ausweis- und Sprengstoffkontrolle wurden wir als harmlos eingestuft und konnten nach Hause fliegen. Im Gepäck: beste Erfahrungen, Motivation, Glück und riesige Begeisterung. Zwei Tage später habe ich das Ergebnis erhalten: Platz 8. Darauf bin ich unendlich stolz.

Das war nun lediglich die Kurzfassung von dem tollen Abenteuer.

Hier könnt ihr das Video ansehen (mein I-Walk ab 19:00):

http://goo.gl/C2tFZZ

Eure Sina

(Foto bei Thomas Keller)

 

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